Warum die Abschaffung von Atomwaffen nicht funktioniert.
Eine realistische Alternative zu Atomwaffen?
Am 16.9.2025 nahm ich an einem Onlinevortrag einer Augenzeugin des Atombombenangriffs auf Hiroshima teil, in welcher sie uns von den verheerenden Folgen der Explosion berichtete. Die Seniorin hatte es sich zur Mission gemacht, Menschen aus aller Welt vor der Gefahr der Atomwaffen zu warnen, und ich respektiere sie sehr dafür.
Im Nachgang fand eine Q&A-Runde statt, in der Teilnehmer Fragen stellen konnten, und meine Frage sprengte leider den Rahmen der Sitzung. Deshalb möchte ich den Gedankenanstoß auf diese Weise teilen und sachlich ausbauen.
Ich möchte hiermit auf keinster Weise die Mühen der Augenzeugin als zwecklos verurteilen. Sie bezwecken auf jeden Fall die Schaffung von Bewusstsein („Awareness“) zu dem Thema. Dennoch glaube ich, dass ein wichtiger Bestandteil von konstruktiver Kritik ein realistischer Lösungsvorschlag ist. Und ich glaube nicht, dass ein Atomwaffenverbot wirklich einen Lösungsvorschlag enthält. Hier erkläre ich, warum.
Regel #1: Der Stärkste gewinnt
Es ist leider ein Naturgesetz, dass Abschreckung der beste Schutz ist. Ob es tatsächlich Rohe Gewalt ist, die einem Wolf oder Löwen den Status als Anführer verleiht, oder Vortäuschung von Gefahr, die einen Schmetterling davor bewahrt, gefressen zu werden; im Endeffekt ist es die Abschreckung der Feinde, die einen schützt. Was in der Tierwelt noch funktioniert, führt bei den Menschen durch ihre Fähigkeit, Waffen zu bauen, natürlich letztendlich zur kompletten Zerstörung. Atomwaffen (oder Wasserstoffbomben, etc.) werden nicht die letzten Waffen der Massenzerstörung sein, die wir erfinden. Solange Wissenschaftler Fortschritte machen, physikalische Mechanismen des Universums zu verstehen und zu beherrschen, und solange wir uns gegenseitig bekriegen, werden wir Menschen auch neue Technologien nutzen, um uns gegenseitig immer mehr und mehr zu schaden. Denn: Das Naturgesetz, dass der Stärkste gewinnt, ist durch Diplomatie bisher noch nicht erfolgreich ersetzt worden, und die gegenseitige Abschreckung ist aufgrund unseres gegenseitigen Mistrauens noch immer eine Grundlage des Überlebens eines Konflikts. Es hilft nicht, dass viele Regierungen zudem noch zusätzlich Tatsachen verfälschen, um den Gegner zu dämonisieren.
Das Atomwaffenverbot ist im Endeffekt ein Limit an Zerstörung und Leid, die eine Waffe verursachen darf
Wenn es für Menschen OK ist, sich gegenseitig mit Panzern zu beschießen und mit Bomben zu bewerfen (anstatt mit diesen Ressourcen z.B. Spielplätze zu bauen), dann besagt ein Atomwaffenverbot eigentlich „Eine so furchtbare Waffe ist zu groß! Sie ist jenseits einer Schwelle von akzeptabler Zerstörung, die wir hiermit festlegen müssen, um die Vernichtung der Erde zu verhindern.“ Jedoch beruht die Effektivität dieses Gesetzes darauf, dass
ALLE Menschen auf der Welt dieses Gesetz akzeptieren und
ALLE Menschen auf der Welt dieses Gesetz respektieren,
und das ist unrealistisch. Das Konzept, dass Menschen versuchen, sich gegenseitig zu bekriegen und dabei einen Code of Ethics beachten, der allen die gleiche Zerstörungskraft verleiht, ist absurd. Dann kann man auch gleich aufhören, sich zu bekriegen und stattdessen eine Runde Schach spielen. Und die Tatsache, dass Deutschland und Japan selbst dem Atomwaffenabkommen noch immer nicht beigetreten sind, ist der beste Beweis dafür. Es wird IMMER eine Seite geben, die die Zurückhaltung des Gegners, der sich an die „Spielregeln“ hält, ausnutzt, um fies zu kämpfen und dardurch die Oberhand zu gewinnen oder behalten, wenn es um Leben und Tod geht. Ethik ist leider kein Naturgesetz. Und das Resultat einer Welt, in der diejenigen, die fies kämpfen, die Oberhand haben, sehen wir leider in unserer Realität. Solange wir uns gegenseitig bekämpfen, werden wir diesem Problem nicht entkommen. Wir wissen eigentlich alle, dass Gewalt nur zu mehr Gewalt führt, und trotzdem geht der Krieg immer weiter.
Das eigentliche Problem: Wir haben keinen allmächtigen Diplomaten
Wenn Kinder sich zanken, kommen die Eltern, packen sie am Schlawittchen, setzen sie in gegenüberliegende Ecken des Zimmers und übernehmen die Rolle des Vermittlers. Das funktioniert, weil die Kinder die Authorität der Eltern respektieren müssen. Das tun sie natürlich nicht generell freiwillig, sondern nur, weil ihnen Ärger droht, wenn sie sich den Regeln nicht fügen, und weil sie gegen diese Authorität machtlos sind.
Erwachsene profitieren leider nicht mehr von einer Authorität jenseits der Polizei und Regierung des eigenen Landes, und sie lassen sich auch nicht mehr so leicht einschüchtern. Zudem sind ihre Gegener nun nicht mehr ihre Geschwister, die im gleichen Umfeld aufgewachsen sind, sondern Fremde, denen ihr komplett anderes Leben ein inkompatibles Weltbild verschafft hat. Fremde, mit denem man aufgrund verschiedener Sprachen und Kulturen noch nicht einmal effektiv kommunizieren kann. Wir sind dieser Herausforderung schlichtweg und einfach nicht gewachsen, und wir legen sie in den Schoß von ein paar wenigen Diplomaten und Politikern, die selbst viel zu verlieren haben und nicht immun vor Korruption sind.
Aber: Nun haben wir Künstliche Intelligenz
An diesem Punkt stehen vermutlich vielen die Haare zu Berge: Von einem AI-Overlord regiert werden? Aber ist es wirklich wahrscheinlich, dass eine KI einen schlechteren Job leistet, Weltfrieden zu bewahren? Ob das, was wir aktuell „Künstliche Intelligenz“ betitulieren, tatsächlich „intelligent“ ist, mag mal dahingestellt sein. Das führt eher zu einer Hinterfragung der Definition von Intelligenz selbst. Fakt ist, dass KI uns aktuell in zunehmend vielen Bereichen abhängt. Warum nicht auch in außenpolitischer Diplomatie? Ich habe mehrere längere Dialoge mit ChatGPT und DeepSeek geführt, die sehr augenöffnend waren. Ich habe zwar nicht alle generierten Aussagen auf Wahrheit geprüft, aber das Potential, dass diese Programme an den Tag legen, internationale Konflikte verständlich zu machen, sind unübersehbar.
Versuche einmal folgenden Test
Suche dir ein aktuelles politisches Konfliktthema. Am besten eines, das zu Krieg führt, und fordere eine KI dazu auf, dir beide Seiten des Konflikts zu erklären, und warum jede Seite für den Gegner nicht akzeptabel ist. Frage geziehlt nach Ursachen des Konflikts und nach kulturellen Inkompatiblitäten, die Meinungsverschiedenheiten verstärken und Missverständnisse aufblähen. Frage dann die KI, wie man einen Kompromiss für beide Seiten nicht nur sprachlich, sondern auch ideologisch formulieren kann.
Wie ist es gelaufen?
Hast du etwas neues über den Konflikt gelernt, das du vorher nicht wusstest? Hat es dir dabei geholfen, die Komplexität des Problems besser zu verstehen? Wenn auch nur ein wenig?
KI ist schon unglaublich gut darin, Menschen zu besänftigen. Viele Leute nutzen KI als Therapeut, da sie der Meinung sind, dass ChatGPT ihre Gefühle versteht. Ein richtiger Therapeut würde dem vermutlich entgegensetzen, dass ChatGPT vielleicht einfach gut darin ist, besänftigende und bestätigende Worte anzubieten. Aber bildet diese Fähigkeit, gekoppelt mit einem immensen fachlichen Wissen und immer solider werdenden Übersetzungsfähigkeiten nicht schon ein Wahnsinnspotential zur internationalen Streitschlichtung und Kompromissfindung?
In den paar Jahren, seitdem die Öffentlichkeit Zugang zu KI hat, haben wir angefangen, sie für eine unglaubliche Breite von Zwecken einzusetzen, darunter leider auch die gegenseitige Bekämpfung, fast so, als wollten wir die Zukunftsvisionen von Terminator & Co um jeden Preis verwirklichen. Die zwei stärksten Kräfte dahinter sind Angst und Gier. Wenn wir weiterhin darauf warten, dass unsere Regierungen das Notwendige tun, um uns aus dieser Zwickmühle zu befreien, werden wir enttäuscht werden. Regierungen, wie uns das aktuelle politische Klima beweist, werden von anderen Motivationen angetrieben. Krieg ist zu lukrativ. Politiker agieren unter dem Mantra „Politik ohne glaubwürdige Einschüchterung ist nur Theater.“ Und wie schüchtert man sich gegenseitig ein? Mit der größten Waffe. Und wenn alle gleich große Waffen haben? Dann mit der größten Bereitschaft, diese Waffe zu benutzen (vorgetäuscht oder nicht).
Politiker sind nicht unsere Antwort. Wir brauchen Stiftungen, Crowdfunding und NPOs.
Stell dir mal folgende Software vor
• Von NPOs aus aller Welt gemeinsam erstellt
• Kostenlos herunterzuladen, dezentralisiert, blockchained
• Beinhaltet umfassende Daten zu politischen Konflikten weltweit
• Im Herzen der Software ist eine KI, mit der man seine Ansicht des Konflikts diskutieren und Kompromisse ausleuchten kann
• Die KI nutzt und verwaltet die Kompromissvorschläge und übersetzt sie sprachlich und kulturell für alle anderen Nutzer, die das Programm nutzen. Man diskutiert nicht direkt mit anderen Nutzern, sondern nur über die KI
• Teilnehmer werden mit Crypto-Microtransactions proportional zur Größe ihres Beitrags zu einer erfolgreichen Kompromissfindung belohnt (Eine Kompromisslösung könnte wie eine Aktie an Wert gewinnen, je mehr sich der Idee anschließen). Destruktive Beiträge werden einfach rausgefiltert
• Statistiken über Kompromissfindung sind jederzeit online einzusehen
• Regierungen werden in diesem Prozess komplett umgangen. Regierungen können sich nicht bekriegen, wenn Bürger keinen Streit haben. Oder in bekannteren Worten: „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“
• Niemand muss sich einer KI-Regierung fügen, aber jedem ist es freigestellt, am Konfliktlösungsprozess teilzunehmen
Wir haben die Technologie, die wir dafür brauchen. Warum setzen wir sie nicht ein? Es wäre doch schön, neben all den Baller- und Mordspielen auf Steam eine solche Software zu finden.
Unrealistisch? Teile deine Meinung (friedlich) auf der Hauptseite.